STERN:
Wie beginnt ihr neues Leben?
CELINE DION:
Silvester gebe ich in Montreal mein letztes Konzert, eine dreistündige Show, danach wird mit der Familie und Freunden gefeiert. Neujahr fliegen wir alle nach Las Vegas. Und dort, am 5. Januar um fünf Uhr nachmittags, heirate ich.
STERN:
Sie sind doch schon…
CELINE DION:
… ich heirate meinen Mann noch mal. Fünf ist nämlich unsere Glückszahl, vor fünf Jahren wurden wir zum ersten Mal getraut. Und dann beginnt unser neues Leben. Gott, es wird so richtig schön langweilig werden! Klasse!
STERN:
Was schätzen sie an Langweile?
CELINE DION:
Kein ausgefeilter Terminkalender mehr, das ist doch was Wunderbares. Nur noch Nudeln kochen, Tomaten züchten, Golf spielen – vielleicht besiege ich sogar irgendwann René. Im Bett liegen, Chips mit Ketchup essen und Erdnussbutter direkt aus dem Glas löffeln. Und ab und an sagen: Chooorrrz? Grrrrzzzt muuu miii chii chääärrnbuudiiining?
STERN:
Ist das kanadischer Dialekt?
CELINE DION:
So klingt es, wenn man mit einem Riesenklumpen Erdnussbutter am Gaumen sagt: „Schatz? Gibst du mir die Fernbedienung?“ Also mein Mann versteht das problemlos.
STERN:
Was klicken sie gerne?
CELINE DION:
Filme, bei denen ich weinen muss. „Das Piano“ zum Beispiel. Oder „Die Brücken am Fluss“, diese tragische Passage, wo Clint Eastwood von Meryl Streep weggeht… Nein, ich muss aufhören, sonst brauche ich ein Taschentuch. Aber als Allererstes schauen wir „Das Leben ist schön“, die Kassette liegt schon seit Wochen da.
STERN:
Und so bleiben Sie erstmal wochenlang im Bett mit René und Erdnussbutter?
CELINE DION:
Ich kenne noch nicht mal meine Heimat Kanada richtig, geschweige denn Europa. Ich bin zwar um die Welt gereist, aber ich habe nur Konzertsäle und Luxushotels gesehen. Wir wollen alles sehen, was wir bisher verpasst haben. Ganz spontan sagen können: Hier bleiben wir mal ein, zwei Wochen. Ich habe 15 Jahre fast keinen Urlaub gemacht, das wird jetzt nachgeholt – und zwar ohne Bodyguards und großes Brimborium.
STERN: Was haben sie noch verpasst?
CELINE DION: Mehr Sprachen zu lernen, Spanisch, Italienisch. Oder besser Japanisch oder Chinesisch – die übernehmen langsam die Weltwirtschaft! Außerdem gerne Deutsch. Mit 15 habe ich zwei deutsche Lieder aufgenommen, das hat mir gut gefallen. Deutsch ist wie ein dickes Stück Kaminholz, sehr kräftig, sehr schön. Super für einen starken Love-Song!
STERN:
Sie planen also doch schon ein Comeback – auf Deutsch!
CELINE DION:
Nein. Ich wollte auf dem Höhepunkt meiner Karriere aufhören und mir nicht sagen müssen: Oje, ich muss noch einen Hit produzieren – und dann klappt es womöglich nicht. Ich pausiere zwei, drei Jahre. Vielleicht wollen die Menschen danach immer noch zuhören. Das wäre schön. Wenn nicht, kann man nichts machen.
STERN:
Und was ist mit Ihrem Mann? Bevor er Manager wurde, war er doch auch Sänger.
CELINE DION:
Oh Gott, das stimmt. Er war bei einer erfolgreichen Band, so eine Art kanadischer Beatles. Dabei hat er gar keine gute Singstimme, mehr so wie der Pate in einem Mafiafilm: leise, heiser, wie ein Reibeisen. Aber sehr sexy. So wie seine Füße. Jawohl – da brauchen Sie gar nicht so zu gucken! Seine Füße! Hey, ich werde doch die Füße meines eigenen Mannes sexy finden dürfen. Manchmal mache ich ihm sogar eine Pediküre. Kann ich hervorragend.
STERN:
Das sagen Sie so…
CELINE DION:
Das beweise ich. Zeigen sie mir mal Ihre Hände. Also, da könnte ich sofort loslegen!
STERN:
Soll ich auch noch Schuhe und Strümpfe ausziehen?
CELINE DION:
Na gut. Weiter im Text…
STERN:
Ihre Abschieds-CD haben Sie „All The Way“ genannt. Warum?
CELINE DION:
Nach dem Song Nummer 13, dem Sinatra Titel „All The Way“. Mein Lieblingslied, ein wunderschönes Liebeslied.
STERN:
Und ziemlich kitschig.
CELINE DION:
Liebe ist kitschig.
STERN:
„Höher als der höchste Baum, tiefer als der tiefste See“
CELINE DION:
Eine der schönsten Textstellen aus „All The Way“! So ist Liebe.
STERN: Aus dem Kopf: Wie viele Nichten und Neffen haben Sie?
CELINE DION:
37! Glaube ich jedenfalls. O Gott, das erinnert mich an all die Weihnachtsgeschenke, die ich noch besorgen muss!
STERN:
Wann werden Sie selbst Mutter?
CELINE DION:
Meine Mum war 41, als ich geboren wurde – da hatte sie allerdings schon 13 Kinder zur Welt gebracht. Ganz so viele wollen wir nicht. Aber lange warten auf das erste Baby wollen wir auch nicht mehr.
STERN:
Mit 31 haben sie ja noch etwas Zeit.
CELINE DION:
Aber mein Mann ist 26 Jahre älter als ich. Wenn es mit einem eigenen Baby nicht klappt, könnte ich mir auch vorstellen, eines zu adoptieren. Darüber habe ich aber noch nicht gründlich genug nachgedacht. Wir wollen es jetzt erst mal richtig probieren. Jetzt, wo wir uns jeden Tagen sehen können. Ich muss da sein, René muss da sein, möglichst beide am selben Ort – das macht die Sache irgendwie einfacher. Sie wissen schon. 
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