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„In guten wie in schlechten Zeiten“

von Bettina Schneuer

 

 

 

 

Als Celine Dion erfuhr, dass ihr Ehemann Krebs hat, dachte sie zuerst an ihr Eheversprechen. Dann machte sie sich auf, die schönen Seiten des Lebens zu stärken.

 

CELINE DION:

Hallo! Sie müssen mir beibringen, wie man singt.

 

STERN:

Wie bitte?

 

CELINE DION:

Sorry, also nicht das Singen, das kann ich einigermaßen. Ich meine dieses deutsche Kinderlied: „Latäärne, Latäärne, Sonnää, Mooond und Stäärne…“ Wie’s weitergeht weiß ich leider nicht mehr.

 

STERN:

Wir leider auch nicht.

 

CELINE DION:

Vielleicht könnten sie den Text für mich aufschreiben? Das wäre nett. Und außerdem das Rezept für – wie nennt man dieses Getränk: rot, heiß, Alkohol mit Gewürzen drin, riecht und schmeckt wunderbar?

 

STERN:

Glühwein?

 

CELINE DION:

Genau!


STERN:

Schicken wir Ihnen gerne zu. Vorausgesetzt, wir dürfen zur Abwechslung Ihnen ein paar Fragen stellen.

 

CELINE DION:

Sorry – ich bin das jüngste von 14 Kindern, da kam ich selten zu Wort. Wenn ich Gelegenheit zum Reden habe, rede ich.

 

STERN:

Was haben Sie denn mit dem Laterne-Lied und dem Glühweinrezept vor?

 

CELINE DION:

Das ist für meine Familie in Kanada. Mein Mann René und ich waren neulich in Berlin essen, Würste mit Sauerkraut und solchen Sachen. Lecker, aber sie lagen doch schwer im Magen. Danach haben wir uns dick eingemummelt und einen Verdauungsspaziergang gemacht. Plötzlich kamen viele Kinder mit Laternen vorbei – die haben dieses Lied gesungen. Wunderschön. Denen sind wir hinterher gegangen und haben ihnen zugehört. Und dann, irgendwo auf einem Platz, gab es diesen Glühwein, so rot wie unsere Nasen, damit haben wir uns aufgewärmt.

 

STERN:

Sie scheinen solche Momente sehr zu genießen.

 

CELINE DION:

Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten und seitdem nicht mehr damit aufgehört. Ich hatte immer einen Traum: Ich wollte eine weltbekannte Sängerin werden. Das ist jetzt geschafft. Ich habe Schallplatten in Gold, in Platin, ich habe zwei Oscars, ich habe Grammys und so weiter.

 

STERN:

Das klingt, als schaue ein 70-jähriger Star auf sein Leben zurück – und nicht eine 31-jährige Frau.

 

CELINE DION:

Ja, soll ich denn noch 15 Jahre weitermachen, nur um festzustellen: Meine Eltern sind tot, ich habe keine Kindern, ich habe goldene Bilderrahmen aber keine Freunde mehr, deren Fotos ich hineintun könnte? Ich möchte Zeit für meine Familie und vor allem Zeit für meinen Mann. Und zwar jetzt.

 

STERN:

In diesem Jahr ist ihr Ehemann und Manager René Angélil and Krebs erkrankt. War das auch ein Grund für Ihren Wunsch nach einer Pause?

 

CELINE DION:

Nein, die war schon lange geplant. Die Diagnose Krebs hätte sowieso alle Pläne für die Zukunft über den Haufen geworfen.

 

STERN:
Wie haben sie reagiert, als Sie von der Krankheit ihres Mannes erfuhren?

 

CELINE DION:
Was mir als Erstes durch den Kopf ging war unser Eheversprechen „In guten wie in schlechten Zeiten, in gesunden wie in kranken Tagen“. Das klingt vielleicht kitschig, aber so ist es gewesen. Es klingt verrückt, aber: Ich habe mich so stark gefühlt wie selten. Alle Freunde dachten, ich bräuchte Hilfe – das war aber nicht so. Es war fast so, dass ich die anderen trösten musste. Ganz absurd. Krebs war ein Wort, das bis zu diesem Tag nicht zu unserem Sprachschatz gehörte. Aber wenn diese Krankheit jemanden trifft, den du liebst, gibt es nur eines: Du musst dagegen kämpfen, sonst zerstört dich das, was dir das Leben um die Ohren haut.

 

STERN:

Das klingt fast so, als seien Sie und Ihr Mann in einen Krieg gezogen.

 

CELINE DION:

So war es auch ein bisschen. Wenn du anfängst zu fragen: Warum wir, wieso das alles, dann wirst du verrückt. Nicht passiv sein, nicht aufgeben und nicht sagen: Jetzt habe ich dieses Ding in mir, und es wird mich umbringen.

 

STERN:

Wie geht es Ihrem Mann?

 

CELINE DION:

Er hat eine Chemotheraphie gemacht, die sehr hart war. Wir haben es zusammen durchgestanden – aber wir wissen nicht, ob es überstanden ist. Bislang sind die Nachuntersuchungen gut ausgefallen. Wir hoffen, dass sie die berühmten fünf Jahre lang so bleiben werden. So bizarr wie es klingt: Der Krebs hat unser Leben verändert – und zwar zum Besseren. René hat mich gebraucht, ich war für ihn da, und es hat uns einander noch näher gebracht.

 

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